Jugendtheater – 2023

Das Projekt „Jugendtheater“ im allgemeinen:

Das Vorhaben „Speel mi op“ richtet seinen Fokus auf das niederdeutsche Bühnenspiel und damit auf das kulturelle Feld, welches für die Regionalsprache Niederdeutsch seine größte Strahlkraft entfaltet Grundsätzlich hat das niederdeutsche Theater im gesamten Sprachraum eine breite Tradition. Eine Erhebung aus dem Jahr 2017 zeigt dazu, dass westlich einer Linie Lübeck – Bielefeld ein erheblich höheres Bühnenaufkommen zu verzeichnen ist als östlich davon. Schleswig-Holstein und Niedersachsen (einschließlich der Stadtstaaten Bremen und Hamburg) können demnach als Kerngebiete des niederdeutschen Bühnenspiels gelten.

Von den rund 3000 niederdeutschen Theatern, die vor 2020 aktiv waren (Zählung im Rahmen der Bewerbung zur Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland), verfügten etwa 600 über Kinder- und Jugendgruppen. Das Altersspektrum liegt dabei meist zwischen 8 bis 18 Jahren. Die Möglichkeiten eines Spiels in Rollen steht dabei zweifellos im Vordergrund. Das Angebot pädagogisch strukturierter Jugendarbeit verlangt den Bühnen ein erhebliches Maß an organisatorischer Infrastruktur ab – mit der Folge, dass es in der Regel nur größeren Theatern gelingt, eine Jugendgruppe (oder mehrere) zu etablieren und kontinuierlich am Laufen zu halten. Daneben haben sich aber auch einige Bühnen herausgebildet, die sich vorwiegend oder ausschließlich auf die Ausbildung jugendlicher Schauspieler:innen konzentrieren.

Niederdeutsche Sprachfähigkeiten werden hier innerhalb eines institutionellen Rahmens erprobt, außerdem dient das Sprachtraining dem Ziel, Bühnentexte angemessen präsentieren zu können. Gleichzeitig herrscht weitgehende Freiwilligkeit, und der kontinuierliche Auf- und Ausbau sprachlicher Kompetenzen findet eher zufällig am Aufkommen der aktuell zu bearbeitenden Texte statt. Die niederdeutschen Bühnen bilden damit eine wesentliche Säule für die Zukunft des Niederdeutschen, insbesondere durch ihre Mittelstellung zwischen gesteuertem und nicht gesteuertem Spracherwerb.

Bereits 1927 wurde eine Dachorganisation namens „Niederdeutscher Bühnenbund“ gegründet, welcher den Theaterbereich zwischen Emden und Stralsund abdeckte. Es sollten Verbindungen zwischen den einzelnen niederdeutschen Bühnen geschaffen werden und die gemeinsame Vertretung ihrer Interessen dadurch besser koordiniert werden können. Früh gab es dabei größere regionale Gruppen, aus denen sich dann im späteren die Bühnenbünde Niedersachsen/Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern herausbildeten. Die Tätigkeit des Bühnenbundes kam 1943 durch den 2. Weltkrieg völlig zum Erliegen. Der Bühnenbund gründete sich 1947 neu aus 26 Mitgliedsbühnen. Es wurde festgelegt, dass nur Berufsbühnen und qualitativ anerkannte niederdeutsche Amateurbühnen beitreten konnten. 

1971 wurde der niederdeutsche Bühnenbund zu einer übergeordneten Vertretung der Landesverbände Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen. 1989 wurde aus den Bühnen Mecklenburg-Vorpommerns der Niederdeutsche Bühnenbund Mecklenburg-Vorpommern, der sich dem Bühnenbund in loser Form anschloss.

Die Aufnahme in den Bühnenbund unterliegt auch heute noch eines Qualitätsnachweises und bedarf einer Prüfung durch eine eingesetzte Kommission.

2014 wurde aufgrund des länderübergreifenden Antrages der drei Niederdeutschen Bühnenbünde Niedersachsen und Bremen (federführend), Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das Niederdeutsche Theater von der deutschen UNESCO-Kommission e. V. in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Expertenkomitee würdig damit die lebendige Weitergabe von Tradition mit lokal-regionaler Verankerung.

UNESCO Immaterielles Kulturerbe in Deutschland – Niederdeutsches Theater

2014 wurde das Niederdeutsche Theater in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Das Niederdeutsche Theater ist eine der Hauptsäulen niederdeutscher Kultur. Sein besonderer Charakter resultiert aus einer Kombination von Theater und der Regionalsprache Niederdeutsch. Niederdeutsch existiert vorrangig als gesprochene Sprache und bekommt in Verbindung mit den Ausdrucksformen des Theaters eine starke künstlerische Dimension.

Theater in der Nahsprache ist vor allem Theater der Nähe. Dies macht den besonderen Reiz für die Spieler wie die Zuschauer aus. Aktuell praktizieren etwa 3.500 Spielgruppen das Niederdeutsche Theater.

Die Bühnen und Theater der drei Niederdeutschen Bühnenbünde Niedersachsen und Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern betreiben ihre Theaterarbeit zum größten Teil auf semiprofessionaler Ebene. Daneben gibt es zwei professionell betriebene niederdeutsche Theater in Hamburg (Ohnsorg-Theater) und Schwerin (Fritz-Reuter-Bühne). Auf den Spielplänen stehen zum einen die Klassiker des Plattdeutschen Theaters, zum anderen Übertragungen und Übersetzungen aus anderen Sprachgebieten. Die überwiegende Mehrzahl machen jedoch kleine kommunale Bühnen in den ländlichen Regionen Norddeutschlands aus.

Das niederdeutsche Bühnenspiel ist angesiedelt in einer Übergangszone zwischen dem Alltagsleben und kulturellen Praktiken. Ein definiertes künstlerisches Niveau steht für diese Grundschicht niederdeutscher Bühnenarbeit nicht im Vordergrund. Dies ändert sich bei den größeren Theatern, die in den drei Niederdeutschen Bühnenbünden organisiert sind. Zur Bandbreite zählen schließlich auch die beiden professionell betriebenen niederdeutschen Theater in Hamburg und Schwerin.

Es ist Teil der Bühnenpraxis vieler Kleinbühnen, dass die Stücke von Mitgliedern, abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse und konkreten Gegebenheiten, selbst verfasst oder von den Ensembles entwickelt werden. Auf diese Weise spiegeln solche Stücke immer auch unmittelbar die soziale Wirklichkeit in den jeweiligen Kommunen wider. Das niederdeutsche Bühnenspiel in seiner heutigen Form hat seine Ursprünge in der Heimatkunstbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Die Gründung der meisten größeren Bühnen erfolgte in den 1920er Jahren. In dieser Zeit ist auch eine reiche Bühnenliteratur entstanden. Es überwiegen zeitgebundene Stücke, doch findet man bis heute auch eine ganze Reihe von Klassikern auf den Spielplänen. Bis in die 1980er Jahre wurden nahezu ausnahmslos originär in niederdeutscher Sprache verfasste Stücke auf die Bühne gebracht. Die Gattung und die sie tragenden Strukturen sind vital. Gefährdungen resultieren in erster Linie aus einem allgemeinen Rückgang der niederdeutschen Sprache. Mit Blick auf eine Stabilisierung der sprachlichen Situation kommt dem niederdeutschen Bühnenspiel eine zentrale Rolle zu.           

(Quelle: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/niederdt-theater)

Niederdeutsche Bühnen

Niederdeutsch spielende Bühnen gibt es als eine große Anzahl kleiner Amateurgruppen, die einmalig im Rahmen von Vereinsarbeit eine Inszenierung mit einer bis zwei Vorstellungen einmal jährlich anbieten. Es sind regionale, lokale Gruppen, in denen im nachbarschaftlichen Rahmen für die örtliche Bevölkerung ein kulturelles Angebot gemacht wird. Qualitätskriterien gibt es meist nicht, es stehen Spaß und Gemeinschaft und Unterhaltung an erster Stelle.

 Die organisierten Amateurgruppen in den niederdeutschen Bühnenbünden und im Bund deutscher Amateurtheater e.V. haben einen häufig semi-professionellen Anspruch an ihre Arbeit und ihre Inszenierungen. Es werden Profi-Regisseure engagiert, es gibt Bühnenbau, Maske, Licht- und Tontechniker, Regieassistentinnen, Bühnenleitung und Öffentlichkeitsarbeit. Es werden in allen Bereichen Fortbildungsangebote gemacht. Die Qualitätssicherung von Stückauswahl, Programmgestaltung und Inszenierung ist Teil des Selbstverständnisses der so organisierten Bühnen. Auch der Austausch unter den Bühnen ist ein wesentlicher Punkt und wird mit Bühnenzeitschriften, Theaterfestivals und Theaterpreisen gelebt. Es gibt für die Aufnahme klare Kriterienkataloge, zu denen neben der Verpflichtung zu qualitativen Theateraufführungen, ebenso eine Mindestzahl an Inszenierungen und Aufführungen gehört.

Die in den niederdeutschen Bühnenbünden aktiven Theatergruppen haben zusätzlich zu der Aufgabe, qualitativ anspruchsvolles Theaterprogramm anzubieten, ihre Mitglieder weiterzubilden und die Nachwuchsarbeit zu fördern eine weitere Aufgabe: Sie verpflichten sich zusätzlich zum Erhalt, zur Sicherung und zur Förderung der niederdeutschen Sprache. 

Derzeit sind 16 Bühnen in Niedersachsen und Bremen, 14 Bühnen in Schleswig-Holstein und ca. fünf Bühnen in Mecklenburg-Vorpommern in den jeweiligen Landesverbänden vertreten.

Alle Bühnen arbeiten ehrenamtlich und eigenständig. Sie gewährleisten insbesondere im ländlichen Raum die kulturelle Vielfalt und stellen häufig das wichtigste Angebot in diesem Bereich da. Laut einer  Erhebung aus 2014 existieren etwas 3500 niederdeutschspielende Bühnen im Norddeutschen Raum. Sie erreichen mit hunderten Aufführungen hunderttausende Besucher. Teilhabe und Mitwirkung stärken das Gefühl der Gemeinschaft und bilden lokale, regionale Bindung und Identitäten.

Projektteilnehmer